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Eurovision

Ich habe die große Kraft der Kunst erlebt, dass nur sie Gegensätze so miteinander verbindet, dass der Einzelne seine Identität bewahrt und sich dennoch mit jedem neuen Bündnis synchronisieren kann.
(Renan Demirkan in Respekt, S.144)

Kunst ist Kommunikation, Kunst verbindet, Kunst ist eine Sprache, die universell verstanden wird. Grenzen fallen, werden überwunden, es wächst zusammen, was zusammen wachsen kann und will.

Eurovisionen-Logo - Kultursommer Rheinland-Pfalz 2013Wie Europa, so ist auch das analog des Kultursommers Rheinland Pfalz zum Thema „Eurovision“ angelegte Projekt ein andauerndes Veränderungsprojekt. 12 – 27 Künstler, auch aus den benachbarten europäischen Ländern, geben dem Konzept „Europa“ ein Gesicht, eine Identität. Dabei beschäftigen sie sich mit dem `Anfänglichen ́, welches auch für den Philosophen Michael Theunissen „… nicht mehr ein unabänderliches Fatum, nicht tragische Absolutheit, Gewalt und der ewige Kampf der Mächtigen ist, sondern immer schon die Möglichkeit von Verwandlung und Gelingen mit einbezieht…“. Einzelaspekte wie zum Beispiel Nationalität, Herkunft, Tradition und scheinbar unüberwindbare Grenzen und Gegensätze werden vermeintlich in den Vordergrund gestellt, und dennoch sind diese primär Ausdruck von Gleichberechtigung und Freiheit.

Jeder Künstler ist um höchste Authentizität und Eigenständigkeit seines persönlichen Schaffens bemüht. Obgleich die Eigenarten eines jeden im Vordergrund stehen, ist dieses Projekt im besonderen Maße eine Gemeinschaftsarbeit aller beteiligter, denn in ihrer Zusammenarbeit symbolisieren sie auch das Bemühen der Europäischen Staaten, eine harmonische Einigung zu erzielen. Es spiegelt die Notwendigkeit aller Europäischen Staaten, ihre individuellen Stärken zum Wohle der historisch gewachsenen Union herauszuarbeiten.

Das auf mehrere Jahre fortwährender Entstehung und Wandlung ausgelegte Kunstprojekt ist auch ein Experiment. Dem übergeordneten Leitgedanken folgend erarbeiten unterschiedlichste Künstler individuelle Aussagen zu Teilaspekten des Ganzen. Sie kommunizieren und interagieren miteinander, die Einzelprojekte werden zu einem Ganzen verschmelzen. Der Wunschgedanke ist auch hier, wie beim Europäischen Traum, dass am Ende eine harmonische Geschlossenheit des Gesamtbildes entstanden ist.

Geplant zum Thema „Eurovision“ ist erstens eine Art interaktive Ausstellung im Wald. Die zu Anfang mit relativ wenigen Exponaten bestückte Ausstellung wird während der Dauer ihres Bestehens weiter wachsen bis eine geschlossene Einheit entstanden ist. Jedem europäischen Land wird unter anderem ein Symbol zugeordnet, sie dienen als Wegweiser, (in Richtung Europa) und geben den Besuchern gleichsam eine Orientierung durch das Ausstellungs-Parcours. Auch Grenzen werden mitunter sichtbar, öffnen sich für den, der will, „Hinweisschilder“ erklären die jeweiligen Intentionen und laden den Besucher ein, sich auf die Visionen, auf Europa einzulassen. Immer wieder finden Workshops und Events statt, um Einzelpositionen zu stärken und gleichsam in das Gesamtkonzept zu integrieren. Die Vision von Verwandlung und Gelingen kann auch scheitern; Skulpturen, mal frech und verspielt, mitunter verträumt oder bissig… sind über das gesamte Parcours installiert und erinnern den Besucher an vielleicht eigene – fertige – Konzepte.

Erinnert wird aber auch an die Wichtigkeit eines Gelingens – Europa als Schutz-Schild, dargestellt als abstrahierte Form eines Paragleiters. Das im Gegensatz zu den ansonsten eher naturnahen Materialien stehende, bewusst gewählte Edelstahl soll hierbei die Notwendigkeit unterstreichen.

„WANDLUNG“, so der Titel der Ausstellung, ist gleichsam ein Synonym für Werden, Wende, Wachsen.

Der Wald, indem der Parcours gestaltet wird, ist bewusst gewählt. Der Deutsche Wald ist mit unter das wichtigste Ökosystem und auf Grund der Artenvielfalt gleichsam ein Synonym für die Vielfalt der Kulturen und ihrer Eigenarten aller europäischen Länder. Der Baum in seiner Standfestigkeit, seinen tiefen Wurzeln, symbolisiert noch einmal die kulturelle Eigenständigkeit aller, ihrer Sprachen, ihren Traditionen; die Bodenbeschaffenheit, prägend für das Wachstum des Baumes und der Art steht hier für Prägung und die Entwicklungs- Möglichkeiten der jeweiligen Nation.
Der Wald als Wirtschaftsfaktor benötigt, anders als die Landwirtschaft, Generationen, bis der Ertrag gewinnbringend genutzt werden kann. Ein Gleichnis dafür, dass sich Entscheidungen und Beschlüsse, die heute zum Wohle Europas getroffen werden, in der Struktur und im Ergebnis erst Jahre, mit unter erst Generationen später erfahrbar, erlebbar sind.
Der Wald als Wirtschaftsfaktor steht aber auch für Nachhaltigkeit und für das Bewusstwerden, dass Wohlstand nicht allein mit Wachstum, Wirtschaftswachstum im besonderen, gleich gesetzt werden kann. Vielmehr steht der Wald für Verbundenheit, Einheit und Leben.
Die teilnehmenden Künstler „arbeiten“ mit der Natur, spielen unter anderem mit den Formen, stellen Einheit wieder her – im Einklang mit Sein – universell. Sie präsentieren auf dieser Weise Aufmerksamkeit und Sorgfalt gegenüber dem, was ist. Auch dies ist ein wichtiger Aspekt für die Euro-Vision, Visionen für Europa.

Den Auftakt zum Projekt bilden die in der Galerie geplanten Ausstellungen:

1. BorderLine

2. Gegen das Vergessen

3. Das Gleichgewicht wahren